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WISSEN · PRAXIS

KI im KMU: Beispiele aus zehn Branchen

Die meisten guten KI-Projekte in kleinen Firmen sind unspektakulär. Sie nehmen Arbeit ab, die oft anfällt, lästig ist und sich leicht kontrollieren lässt. Hier finden Sie Beispiele nach Branche, jeweils mit dem Haken, den man kennen sollte.

Stand: 8. Oktober 2026. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.

Wo KI im KMU am meisten bringt

Am meisten lohnt sich KI bei Texten, die immer wieder ähnlich aussehen: Offerten, Antworten auf Kundenanfragen, Protokolle, Übersetzungen, Stellenanzeigen. Dazu kommt das Wiederfinden von Wissen, das in Handbüchern, Verträgen und alten E-Mails steckt.

Schwieriger wird es überall dort, wo die KI selbst entscheidet, wo Fehler teuer sind oder wo besonders schützenswerte Daten im Spiel sind. Dort braucht es mehr Vorbereitung, nicht unbedingt mehr Technik.

Beispiele nach Branche

BrancheAufgabeWorauf achten
TreuhandMusterbriefe an Mandanten, Zusammenfassungen von Steuerentscheiden, Belege vorsortierenMandantendaten nur in Werkzeuge mit Vertrag; Zahlen immer nachrechnen
Schreinerei, Bau und HandwerkOfferttexte aus Stichworten, Rapporte vom Handy diktieren, Fragen zu Normen und Merkblättern im eigenen Archiv beantwortenMassangaben und Preise nicht der KI überlassen
Arzt- und TherapiepraxisBerichte aus diktierten Notizen vorformulieren, Patienteninformationen in einfacher SpracheGesundheitsdaten und Berufsgeheimnis: nur Lösungen mit Schweizer Hosting oder eigenen Modellen, Folgenabschätzung
Hotel und GastronomieAntworten auf Bewertungen, Gästeinformationen in mehreren Sprachen, Menükarten übersetzenAntworten vor dem Veröffentlichen lesen; Allergene nie ungeprüft übersetzen
Detailhandel und OnlineshopProdukttexte, Kundenanfragen vorsortieren, Chatbot für Lieferstatus und ÖffnungszeitenChatbot als KI kennzeichnen; keine verbindlichen Zusagen durch den Bot
Industrie und MaschinenbauWissen aus Handbüchern und Servicefällen auffindbar machen, Übersetzung technischer DokumentationKonstruktionsdaten sind Geschäftsgeheimnisse; Exportkontrolle bei Dual-Use beachten
ImmobilienverwaltungAntworten auf Mieteranfragen, Protokolle von Eigentümerversammlungen, Mängelmeldungen sortierenMieterdaten sind Personendaten; Vorlagen statt freier Texte für Rechtliches
Anwaltskanzlei und NotariatRecherche in eigenen Vorlagen, Entwürfe für Standardkorrespondenz, Zusammenfassen langer AktenBerufsgeheimnis (Art. 321 StGB); KI-Guidelines des Anwaltsverbands beachten
Personalvermittlung und HRStellenanzeigen schreiben, Interviewleitfäden, Arbeitszeugnisse vorformulierenKeine automatische Vorauswahl von Bewerbungen ohne menschliche Prüfung (Art. 21 DSG)
Agentur und BeratungEntwürfe für Texte und Präsentationen, Transkripte von Workshops, RechercheKundendaten und unveröffentlichte Kampagnen nur mit Firmenkonto

Drei Arten von Werkzeugen

Allgemeine KI-Assistenten wie ChatGPT, Copilot oder Gemini decken die meisten Textaufgaben ab. Sie sind schnell eingeführt und günstig, brauchen aber ein Firmenkonto, sobald Personendaten oder Geschäftsgeheimnisse hineingehen. Was dabei gilt, steht im Leitfaden ChatGPT, Copilot und Co. im Betrieb.

KI-Funktionen in bestehender Software stecken heute in Buchhaltung, CRM, Ticketsystem und Office. Oft ist das der einfachste Einstieg, weil Vertrag und Daten schon beim selben Anbieter liegen. Prüfen Sie trotzdem, ob die KI-Funktion einen anderen Unterauftragnehmer nutzt.

Eigene Lösungen verbinden ein Sprachmodell mit Ihren Dokumenten, etwa damit das Serviceteam in Handbüchern sucht wie in einem Gespräch. Das lohnt sich, wenn viel Wissen in Dokumenten steckt und die Daten das Haus oder die Schweiz nicht verlassen sollen.

Ein Beispiel durchgerechnet

Ein Elektroinstallateur in Wil mit zwölf Mitarbeitenden schreibt pro Woche rund 15 Offerten. Bisher tippte der Projektleiter die Leistungsbeschriebe aus alten Offerten zusammen. Neu diktiert er auf der Baustelle Stichworte ins Handy, und ein KI-Assistent mit Firmenkonto macht daraus einen Entwurf im Stil der bisherigen Offerten. Preise und Mengen kommen weiter aus der Branchensoftware.

Bevor so ein Pilot startet, sollte feststehen, woran man den Erfolg misst: Minuten pro Offerte vorher und nachher, und wie viel Korrektur die Entwürfe brauchen. Nach vier bis sechs Wochen ist klar, ob es sich lohnt. Wie man so einen Pilot aufsetzt, beschreibt der KI-Aktionsplan.

Wofür KI im KMU (noch) nicht taugt

  • Verbindliche Auskünfte an Kunden ohne menschliche Kontrolle, etwa zu Preisen, Fristen oder Garantien.
  • Rechtliche oder steuerliche Beurteilungen im Einzelfall. Als Entwurf hilfreich, als Endprodukt riskant.
  • Entscheide über Personen, etwa Absagen an Bewerber oder Kreditlimiten, ohne dass ein Mensch prüft.
  • Aufgaben, die selten vorkommen. Der Aufwand für das Einrichten frisst den Nutzen.

Häufige Fragen

Womit sollte ein KMU bei KI anfangen?

Mit einer Aufgabe, die jede Woche mehrmals anfällt, lästig ist und sich leicht überprüfen lässt, zum Beispiel Offerttexte, Antworten auf Standardanfragen oder Protokolle. Vorher klären, welches Konto genutzt wird und welche Daten hinein dürfen.

Was kostet KI für ein kleines Unternehmen?

Ein KI-Assistent mit Firmenkonto kostet meist einen zweistelligen Betrag pro Person und Monat. Teurer wird es bei eigenen Lösungen mit Anbindung an Firmendokumente; dort hängen die Kosten vor allem vom Aufwand für Einrichtung und Betrieb ab. Für Projekte mit Forschungsanteil gibt es Förderung.

Brauche ich für KI eine Bewilligung oder Zertifizierung?

Nein. In der Schweiz gibt es keine Bewilligungspflicht für KI. Es gelten aber das Datenschutzgesetz und je nach Branche Berufsgeheimnis oder Aufsichtsrecht. Welche Regeln für Ihren Einsatz gelten, zeigt der Pflichten-Check.

Quellen

Diese Seite gibt einen Überblick und ersetzt keine Beratung im Einzelfall. Gesetze und Fristen ändern sich; verbindlich sind die verlinkten amtlichen Texte.

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