Was nach dem Pilot fehlt
Vielen Schweizer Unternehmen fehlen nach dem Pilotprojekt vor allem Fachleute. In einer Studie nennen fast 60 Prozent den Fachkräftemangel als grösstes Hindernis, wenn sie KI breiter einsetzen wollen, berichtet die Netzwoche. Datenschutz und regulatorische Compliance folgen mit 47 Prozent. Für KMU heisst das: Bevor weiteres Geld in Werkzeuge fliesst, sollte feststehen, wer die KI-Anwendungen im Betrieb betreut und wer für den Datenschutz geradesteht.
Auch die Aufsicht schaut genauer hin. Viele Unternehmen haben inzwischen KI-Richtlinien, können aber nicht belegen, dass sie eingehalten werden, schreibt Petar Tsankov, Chef des Governance-Anbieters LatticeFlow AI, in einem Beitrag für die Netzwoche. Als Beispiel nennt er die Aufsichtsmitteilung 08/2024 der Finma, in der die Behörde beschreibt, was sie von Banken, Versicherungen und anderen Instituten beim Einsatz von KI erwartet. Wir rechnen damit, dass die Institute dieselben Fragen bald an ihre Zulieferer weitergeben. Wer schon heute festhält, welche KI-Anwendungen im Einsatz sind und wie das Unternehmen sie prüft, hat die Belege dann zur Hand.
Agenten im Arbeitsalltag
Bei der Adecco-Gruppe übernehmen KI-Agenten schon Routinearbeit im Recruiting. Mit Salesforce Agentforce Coworker sparen die Recruiter 25 bis 35 Prozent ihrer Zeit, berichtet die Netzwoche. Der CEO knüpft das an eine Bedingung: Ein Unternehmen müsse zuerst seine Prozesse in Ordnung bringen. Nach unserer Einschätzung lohnt es sich, einen Ablauf zu klären, bevor man ihn automatisiert.
Sunrise setzt für ein neues Betriebsmodell auf KI und Automatisierung. Dabei könnten bis zu 450 Vollzeitstellen wegfallen, wie die Netzwoche in einer aktualisierten Meldung berichtet. Zusammen mit der Studie zeigt das zwei Seiten derselben Entwicklung: Fachleute fehlen, und Routinearbeit kann wegfallen. KMU sollten mit ihren Leuten früh besprechen, welche Aufgaben sich verändern.
Der Basler Hoster Cyon hat einen MCP-Server lanciert, über den KI-Agenten Webinhalte selbst veröffentlichen können. Der Dienst läuft als öffentliche Beta, meldet die Netzwoche. KMU mit einer Website bei Cyon können das damit selbst ausprobieren. Unsere Empfehlung: solchen Zugängen nur eng begrenzte Rechte geben und festlegen, wer die Beiträge vor der Veröffentlichung liest.
Risiken im Betrieb
Check Point hat zwei Sicherheitslücken im Open-Source-LLM-Gateway LiteLLM gefunden, berichtet die Netzwoche. Angreifer können darüber Serverdateien auslesen oder API-Schlüssel von KI-Anbietern abgreifen. Wer LiteLLM selbst betreibt oder von einem Dienstleister betreiben lässt, sollte umgehend klären, ob die Lücken geschlossen sind, und hinterlegte Schlüssel vorsorglich erneuern.
Aus China kommt ein Vorschlag, der auch Schweizer Firmen betreffen kann. Laut der South China Morning Post sieht er Exportbeschränkungen für 23 KI-Technologien vor, darunter Modelle und Chipdesigns. Analysten rechnen mit kurzfristigen Kosten für chinesische Firmen auf internationalen Märkten. Wer hierzulande offene Modelle aus China selbst betreibt, sollte deren künftige Verfügbarkeit nicht als gesichert betrachten und eine Alternative bereithalten.